12. Internationale EIE-Fachtagung 2018

Die nächste Internationale (12.) EIE-Fachtagung findet am 27. und 28.09.2018 im Hotel Bayerischer Hof in Lindau/Bodensee statt. Das vollständige Programm folgt unten. Ein PDF-Überblick kann unter info@aeie.academy abgerufen werden. Anmeldungen sind noch möglich bis 15.09.2018.

 

Retrospektive: Veränderungen im Seminar EIE

In Deutschland hatte von den Anfängen Mitte der 1990er Jahre bislang die Deutsche MTM-Vereinigung das Seminar European Indsutrial Engineer (Seminar EIE) angeboten. Allerdings hat DMTM in 2015 entschieden, das Produkt nicht mehr selbst anzubieten. Nachfolger wurde nach Gesprächen mit DMTM die Academy of European Indsutrial Engineers e.V. (AEIE) mit Sitz in Velbert, ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Dessen "Besonderer Vertreter", Diplom-Kaufmann Richard Fitzgerald, war zuvor bei DMTM Produktmanager EIE und daneben Executive Secretary der efps (European Federation of Productivity Services, EFPS). So konnte der Nachfolgeverein die Lehrunterlagen und die Dozenten mit Zustimmmung der DMTM nahtlos für den Start übernehmen.

Die Academy of European Industrial Enginners e.V. ist seit dem 7.10.2016 Mitglied des efps und wird in Deutschland das EIE weiterhin anbieten und die EIE-Fachtagung mit den weiteren EFPS-Mitgliedern fortführen.


Historie der Fachtagung

Im November 2015 zeichnete sich bereits ab, dass die Deutsche MTM-Vereinigung e.V. (DMTMV) nicht mehr das Produkt „Seminar European Industrial Engineer“ anbieten würde. Allerdings zog sich die endgültige Entscheidung bis in den März 2016. Damit war klar, dass eine neue Heimat für das EIE gefunden werden musste.

Viele Absolventen signalisierten, dass sie das EIE weiter unterstützen wollten, weil sie von der Ausbildung und den Inhalten überzeugt waren.

In einem Treffen mit dem derzeitigen Geschäftsführer der DMTMV in Hamburg haben Dr. Fischer (ehemaliger Geschäftsführer) und Richard Fitzgerald (ehemaliger Produktmanager EIE) erreicht, dass auch die DMTMV den Fortbestand in einem neuen Verein unterstützen wollte.

Am 28.05.2016 trafen sich acht Gründungswillige in Montabaur, um den neuen Verein aus der Taufe zu heben. Nach intensiven, aber immer konstruktiven Diskussionen, wurde die Gründung des Vereins auf der Grundlage der vorliegenden Satzung beschlossen und ein Vorstand gewählt.

Er besteht aus MSc. Markus Mangold, Dipl.-Ing. Jens Makareinis und Dipl.-Psych. Rudolf Bildhauer. Als "Besonderer Vertreter" wurde Dipl.-Kfm. Fitzgerald vom neuen Vorstand bestellt.

Programm der Fachtagung 2016

Nach der Begrüßung der Teilnehmer, in der Fitzgerald im Namen der EFPS die Hintergründe zum Übergang des EIE und der Tagung von der MTM-Vereinigung auf die AEIE e.V. erläuterte, kündigte er den ersten Vortrag des Nachmittags an.

Tag 1 - 06. Oktober 2016

Andrea Hauf - „Makigami – effiziente Prozesse in administrativen Bereichen“

Managing Director am CETPM-Institut der Hochschule Ansbach

Das CEPTM-Institut trainiert, qualifiziert, auditiert und forscht zu Prozessen entlang der Wertschöpfungskette. Das hier vorgestellte Instrument „Makigami“ kommt aus Japan und bedeutet so viel wie „Papierrolle“. Da gerade in administrativen Bereichen die Widerstände gegen Veränderungen in eingeschliffene Abläufe oftmals hoch sind, das Einsparungspotenzial aber riesig ist, ist es laut Andrea Hauf besonders wichtig, die Betroffenen zu Beteiligten zu machen. Hierzu eignet sich Makigami hervorragend, da mit dieser Methode gemeinsam mit den Mitarbeitern Daten und Informationen gesammelt, Schnittstellen definiert und eine Bewertung nach Wertschöpfung/Nicht-Wertschöpfung vorgenommen wird.

Durch die Darstellung auf einer großen Papierrolle mit aufgesteckten Aktivitäten, die jederzeit, falls angebracht, verschoben bzw. entfernt werden können, entsteht ein gemeinsam erarbeiteter neuer Ablauf (Sollprozess), der so bereits die Akzeptanz für die nachfolgende Umsetzung besitzt. Anhand eines Beispiels aus ihrer Beratungspraxis stellt Andrea Hauf die Vorgehensweise vor.

Als Ziel sieht sie die Erreichung von Exzellenz in der Administration, bei der viele Unternehmen noch große Potenziale haben.

Alfred Rist-Vogt - „Maßnahmen zum Umgang mit Chancen und Risiken – was steht in der neuen ISO 9001:2015/2018?“

langjähriger Dozent im EIE und Spezialist für alle Themen rund um Qualität und Risikomanagement

Hinter dem etwas sperrigen Titel verbargen sich hochaktuelle Informationen zum risikobasierten Denken, welches in der Wirtschaft immer mehr Raum und Akzeptanz gewinnt. Nach Rist-Vogt gehört die Risiko- und Chancen-Beurteilung zu allen Unternehmensprozessen, besonders da ein QM-Handbuch und ein QM-Beauftragter nicht mehr explizit gefordert werden. Es gilt, die Risiken zu ermitteln, zu priorisieren und letztlich in Geldeinheiten zu quantifizieren. Beispielhaft wurden Elementarereignisse wie Brand, Stromausfall und Sabotage (z.B. durch Hacker) genannt. Im interaktiven Teil wurden in vier Gruppen unterschiedliche Aufgaben bearbeitet, z. B. „Kriterien für die Leistungsbeurteilung, Verbesserung und Managementbewertung bei der Hausgeräteproduktion“. Hier wurden Kriterien wie „Produktivität, Reklamationsquote, Liefertreue, KVP-Quote, Innovationgrad und andere erarbeitet.

Die Ergebnisse wurden auf Flipchart, Pinwand oder verbal aufbereitet, vorgestellt und im Plenum diskutiert. Eine Übung bei der alle dazugelernt haben dürften.

Rudolf Bildhauer - „Führung in Situationen besonderer Arbeitsbelastung“

den meisten Teilnehmern aus EIE-Ausbildungen und von vorherigen Tagungen bestens bekannt

Erst einmal musste geklärt werden, was es für besondere Arbeitsbelastungen im Unternehmensalltag gibt. Als Kriterien nennt Rudolf Bildhauer Mehrarbeit, Arbeitsstau (es kommt mehr Arbeit nach, als abgearbeitet werden kann), Qualität entspricht nicht mehr den Anforderungen, Dauerbelastung im Grenzbereich schafft Frustration und Unzufriedenheit, Motivation, Leistungsfähigkeit und Gesundheit sind zunehmend beeinträchtigt.

Er zeigte auf, welche Einflussmöglichkeiten die Führungskräfte haben und wie sie diese wahrnehmen können. Dann wurden den Teilnehmern Handlungsfelder wie „Selbstreflexion und –vorsorge, Belastungsabbau, wertschätzende Kommunikation, Wertschätzung – Lob – Anerkennung“ und andere genannt, welche diese in Kleingruppen mit Inhalten füllen sollten. Stichwortartig und auf Zuruf wurden die Ergebnisse im Plenum am Flip-Chart gesammelt. Sie werden den Tagungsteilnehmern mit der Vortragsdatei zur Verfügung gestellt.

In bester Bildhauer-Manier wurden dann noch gemeinsame Achtsamkeitsübungen gemacht, die jeder im Alltag leicht für sich anwenden kann.wurden auf Flipchart, Pinwand oder verbal aufbereitet, vorgestellt und im Plenum diskutiert. Eine Übung bei der alle dazugelernt haben dürften.

Markus Blümle - „Personalmanagement im globalen Umfeld“

Personaldirektor der E.G.O.-Gruppe in Oberderdingen

Markus Blümle berichtet von seinen Erfahrungen als Personalmanager an den Standorten China, Mexiko und der Türkei. Zum besseren Verständnis seiner vielfältigen Beispiele erläuterte er vorab das Modell zur Strategieentwicklung nach Howard Perlmutter ( vgl. TB 7 des EIE) mit der Unterscheidung nach Ethnozentrisch, Regiozentrisch, Polyzentrisch und Geozentrisch. Strukturiert wurde dann die Vorgehensweise mit Beispielen zu den Besonderheiten an den einzelnen Standorten herausgearbeitet.

Wichtig ist laut Markus Blümle die Erstellung von zentralen Richtlinien sowie deren Anpassung an die länderspezifischen Besonderheiten. So werden zum Beispiel die Löhne in Mexiko wöchentlich ausbezahlt, weil man nie weiß, ob der Mitarbeiter am Montag wiederkommt und er sein Ausgabeverhalten eher nicht über einen Monat strecken kann. Beispiele dieser Art gaben ein anschauliches Bild von der Andersartigkeit in anderen Ländern bzw. Kulturkreisen.

Als allgemeingültige Skills wurden genannt: Bereitschaft zu Veränderungen, hohe Anforderungen an Globalisierungsentwicklung, Diversity Management, Unterstützung der Führungskräfte vor Ort und interkulturelle Kompetenz im Kompetenzmodell verankern.

Beim gemeinsamen Abendessen wurden die Vortragsinhalte lebhaft und auch kontrovers diskutiert, alte Kontakte aufgefrischt und neue geknüpft. Bei gutem Essen und gepflegten Getränken fand der Tagungstag ein würdiges Ende.

Tag 2 - 07. Oktober 2016

Betriebsführung - nach Liechtenstein zum Stammsitz der Firma Hilti AG

Der zweite Tag war komplett der Betriebsführung vorbehalten. Diesmal ging es mit dem Bus oder dem eigenen Auto nach Liechtenstein in die Gemeinde Schaan. Dort befindet sich der Stammsitz der Firma Hilti AG. Der Name Hilti in Verbindung mit dem Roten Koffer und dem weißen Schriftzug ist jedem Handwerker vertraut, der irgendwie mit Bohren und Befestigen zu tun hat. Die meisten von ihnen nutzen die Produkte des Unternehmens. Aber auch Hobby-Handwerker schwärmen von einer Hilti, obwohl die Geräte hochpreisig und nicht im Baumarkt oder Einzelhandel erhältlich sind: Hilti bevorzugt den Direktvertrieb.

Im großzügigen Foyer in Schaan wurde die Gruppe von Gerrit Xander aus dem Marketing und ihrem Team empfangen und im Vortragssaal mit dem Unternehmen bekannt gemacht: Hilti wurde im Jahre 1941 von den Brüdern Martin und Eugen Hilti in Liechtenstein gegründet. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 24 000 Mitarbeiter weltweit und bedient die gesamte Palette des Bohrens und der Befestigungstechnik, wie z.B. Schraubtechnik, Installationssysteme, Trenn- und Schleifgeräte, Untertage- und Bergbau sowie Diamantbohrtechnik.

Bekanntestes Produkt ist jedoch nach wie vor der Bohrhammer. Führend ist Hilti aber auch bei der Diamantbohrtechnik, deren Know-how vom Entwicklungsleiter aus technischer und kostenrechnerischer Sicht erklärt und deren Fertigung die Gruppe im Anschluss ebenso wie die Produktion der Befestigungselemente besichtigen konnte. Dies umfasste auch die praktischen Vorführungen unterschiedlicher Befestigungstechniken mit verschiedenen Hilti-Geräten und Befestigungselementen.

In Summe war es eine eindrucksvolle und lehrreiche Veranstaltung, für die man sich bei Hilti herzlich bedankte.

Workshop

Markus Mangold - „Quick Changeover“

MSc. und European Industrial Engineer, Industrial Engineering, Infineon Technologies Bipolar GmbH & Co. KG

Der optional angebotene Workshop am Donnerstagvormittag bat Methodik und praktische Übungen zur Rüstzeitoptimierung. Videoanalysen und ein Lehrbuch verdichten den Übungserfolg des Workshops.